Folgendes Buch wurde rezensiert: Aus der Asche

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Im Steampunk-/Fantasy-Roman "Aus der Asche" geht es um eine Stadt, in der ein Konflikt zwischen Menschen und Kreaturen schwillt. Gesetzlich haben sie dieselben Rechte, doch die Realität sieht anders aus: Viele Kreaturen dürfen nicht arbeiten und werden in Sittenhaft genommen, wenn Verbrechen geschehen. Mitten drin: Banden, menschliche Studenten, Freundeskreise und Familien.

 

Setting

Wie es bei Fantasy häufig der Fall ist, zeigt auch dieser Roman deutliche Parallelen zur Realität auf. Passenderweise erinnert das Setting an Carnival Row, welche gerade auf Amazon Prime läuft. Rassismus, Vorurteile und Ghettobildung ziehen sich durch den gesamten Roman. Die Zustände spitzen sich zu und in der Politik bildet sich der Wunsch der Menschen nach einer starken Hand gegen ihr Feindbild der Kreaturen ab. Freundschaften und Beziehungen zwischen Kreaturen und Menschen werden zur Belastungsprobe. Die Fronten verhärten sich zunehmend und das Misstrauen gegenüber einander wächst.

Handlung

Im ersten Abschnitt entsteht zunächst der Eindruck, die Autorin würde sich zu sehr mit Nebenschauplätzen und Nebenhandlungen aufhalten. Im zweiten Abschnitt fügen sich die Figuren und Handlungsstränge mehr zusammen und ergeben ein harmonischeres Bild.

Geschickt wechseln hier auch Handlungsorte und Personen. Während der erste Teil im Krankenhaus von Anastasias Vater spielt, verlagert sich die Handlung im zweiten Teil ins Kreaturenkrankenhaus, sodass Anastasia weiterhin ihrer Arbeit nachgehen kann und Demonstranten und Kreaturen weiterhin ärztlich versorgt werden können.

Durch die Augen von Ewald lernt man als menschlicher Leser (wovon ich einfach mal ausgehe) die Welt der Kreaturen kennen, die so anders und doch so gleich ist – je nach dem, was man vordergründig sehen will. Viele Menschen leider ersteres. Das ist der Grund, warum viele in den Kreaturen Monster sehen und das nicht hinterfragen.

Ein Pluspunkt bekommt die Geschichte auch für ihre Diversität: Elizabeth und Anastasia waren ein Paar, auch wenn man davon nur wenig mitbekommt und Sam ist non-binary. Zu hens Pronomen gibt es eine lesenswerte (und sehr authentische, wie ich annehme) Diskussion mit hens Kollegen Elizabeth und Frank, sodass auch Leser, die mit nicht-binären Geschlechtsidentitäten bisher keine Berührungspunkte hatten, aufgeklärt werden.

Charaktere

Interessant ist auch, dass viele ihrer Charaktere mindestens zwei Seiten haben. So wirken sie in unterschiedlichen Umgebungen mit unterschiedlichen Figuren sehr verschieden.

Jen macht in der WG einen manchmal etwas bevormundenden Eindruck und ihre Mitbewohner Stan und Julius halten sie für intelligenter als sie. In der Uni ist sie außerhalb ihrer Freunde Elizabeth und Anastasia zurückgezogen und vermeidet es, dass Rückschlüsse darauf gezogen werden können, dass auch sie eine Kreatur ist. Das lässt sie manchmal eher wie einen Alleingängerteenager wirken. Doch beim unerfahrenen und manchmal dadurch tollpatschigen Ewald wird sie auf einmal frech und je mehr sie sich anfreunden, blüht sie in ihrer Rolle als selbstbewusste Mentorin auf.

Stan wiederum umgibt als Anführer der London Cray eine Aura der Autorität. Die Beziehung mit Elizabeth macht ihn verwundbar, worauf ihn auch Alandriel hinweist. Dies gipfelt darin, als er einem betrunkenen Kollegen Elizabeths begegnet und auf einmal zu stottern anfängt, was er normalerweise unter Kontrolle hat. Sein Stottern war bisher eines seiner bestgehüteten Geheimnisse.

Anastasia lässt in Gegenwart mit Elizabeth und anfangs auch bei Julius die Zicke raushängen, aber das ändert sich zusehends, als sie sich entscheiden muss, auf welcher Seite sie steht. Besonders im Krankenhaus, als sie sich dagegen auflehnt, keine Kreaturen zu behandeln, zeigt sie die Seite, die Elizabeth, als sie noch zusammen waren, immer fördern wollte, aber dieses Vorhaben irgendwann aufgegeben hatte.

Der zweite Abschnitt ist auch ein Abschnitt der Eltern. Wir lernen Julius' Vater kennen, zu dem er eine schwierige Beziehung hat und der von anderen Kreaturen zwar respektiert, aber nicht immer freundlich betrachtet wird. Jen besucht ihre Eltern auf dem Friedhof. Ewalds Eltern kennen wir auch nur aus Erzählungen und einem Telefonat. Interessant ist vor allem die Zusammensetzung von Elizabeths Familie: Ihre Mutter ist auf ihrer Seite, will aber ihrem Mann nicht in die Quere kommen. Ihr Bruder ist auch auf ihrer Seite, weil er sie vergöttert, aber trägt das polizeiliche Gedankengut ihres Vaters in sich.

Auch bei den Kreaturen ist die Autorin nicht einseitig: Während es bei den Grim Reapern äußerst arrogante und gehässige Elfen gibt, ist Alandriel, der Anführer der Alten Herren ganz anders.

Fazit:
Der Roman ist vielschichtig und es nimmt einige Kapitel in Anspruch, um vollends einzutauchen, doch abschließend kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat.



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